SV Waldhof Mannheim - SVN Zweibrücken (Regionalliga)

07.03.2015 von Oliver

22. Spieltag Regionalliga Südwest (07.März 2015)

SV Waldhof Mannheim 07 (11.) - SVN Zweibrücken (17.)  1 : 0 (0:0)

Der sportliche Anreiz diese Partie zu besuchen lässt sich, höflich formuliert, mit "fast nicht vorhanden" ganz gut und ehrlich zusammenfassen - beim Hinspiel im August trennten sich beide Mannschaften 1:1, letzte Saison siegte Zweibrücken 2:1.
Zum Rückrundenauftakt verlor Mannheim beim Schlußlicht Baunatal mit 0:2 und am Dienstag gab es beim Nachholspiel in Kaiserslautern mit 0:4 eine weitere Niederlage ohne eigenen Torerfolg.
Auch bei den Gästen herrscht vor dem gegnerischen Tor Flaute - die letzten drei Spiele vor der Winterpause blieb man ohne eigenen Torerfolg... aber das Sportliche steht in Zweibrücken seit Saisonbeginn ohnehin deutlich im Hintergrund. 

Ein Spiel zwischen einem ehemaligen und einem aktuellen "Chaosclub" (siehe weiter unten im Text) in einem "leicht" überdimensionierten Stadion... das schreit doch förmlich nach uns und rechtfertigte die rund 220 Kilometer lange Anreise. 




Die Hausherren im 27.000 Zuschauer fassenden Carl-Benz-Stadion (erbaut 1994 und direkt neben dem Stadion des Ortrivalen VfR gelegen) spielten von 1974/75 bis 1982/83 in der 2. Bundesliga und von 1983/84 bis 1989/90 in der 1. Bundesliga. Nach sieben weiteren Spielzeiten im Unterhaus stieg man in die Regionalliga Süd ab, kehrte aber 1999/00 zurück in die zweithöchste Spielklasse. 2000/01 verpasste man eine mögliche Rückkehr ins Oberhaus nur um einen Punkt - danach ging es rasant bergab. 
2002/03 schloß man als Tabellenletzter ab und erhielt keine Lizenz für die folgende Regionalligaspielzeit. In Folge dessen ging es für fünf Jahre durch die viertklassige Oberliga Baden-Württemberg. Im Mai 2008 bewahrte eine 500.000 € Unterstützung von Dietmar Hopp den Verein vor der Insolvenz und nachdem man sich wieder in die Regionalliga hochgearbeitet hatte, musste man nach der Saison 2009/10 den nächsten Lizenzentzug verkraften (man war mit Rot-Weiss Essen und dem Bonner SC allerdings in "bester Gesellschaft").
Seit 2011/12 ist man wieder in der Regionalliga und erreichte zuletzt die Plätze 5. und 6... mit einem Zuschauerschnitt von knapp über 3.000 Zuschauern.

Bei den Gästen aus Zweibrücken, 1929 als SV Niederauerbach gegründet (daher auch "SVN" Zweibrücken) ging es nach dem siebten Platz in der letzten Regionalliga-Saison, zugleich die Erste der Vereinsgeschichte, mehr als stürmisch in die zweite Saison: Mäzen Heiner Semar zog sein Engagement nach knapp 20 Jahren zurück, Trainer Peter Rubeck (war seit 2007 im Amt) ging zum Ligakonkurrenten Trier, Nachfolger Adis Herceg musste Ende Oktober seinen Posten räumen, da er im Heimspiel gegen Freiburg II seinen Torwart nach der Halbzeitpause nicht zum weiterspielen ermutigen konnte - einen Tag später übernahm Guido Hoffmann das Amt des Cheftrainers. 
Dass dann in der Winterpause 18 Spieler den Verein verließen und 17 neue Spieler geholt wurden, dürfte niemanden wirklich verwundern... eigentlich kaum zu glauben, aber mit der TuS Koblenz gibt es tatsächlich einen Verein, der noch schlechter platziert ist - beim Rückrundenauftakt am vergangenen Wochenende hätte es zum "Kräftemessen" der beiden Vereine kommen sollen, das Spiel konnte aber wegen Unbespielbarkeit des Platzes nicht ausgetragen werden... vielleicht fällt der Nachholtermin ja günstig für uns.

Im Gegensatz zum geplatzen Besuch in Osnabrück am letzten Samstag (nach 2 Stunden auf der A3 nur bis Leverkusen gekommmen und aufgrund weiterer Staumeldungen gedreht, um sich an der Sky Bundesligakonferenz zu erfreuen) ging es heute reibungslos. Komplett freie Fahrt bis Mannheim, vorbei an der SAP-Arena ging es kurz hinter dem Ortseingang rechts am "Technoseum" direkt auf den Parkplatz. Von da aus nur über die Straße gehen, Stadionheft gab es für 1.- € schon vor dem Stadion. Eintrittskarte für die Nordtribüne kostete 19.- €. Im gut sortierten Fanshop noch einen Schal mitgenommen - auf dem Weg zu unserem Block Q konnte noch ein Blick auf das benachbarte "Roberto Clemente Field" des Baseballbundesligisten "Tornados" geworfen werden. Den Fanflyer "Uffbasse" gab es ebenfalls - Lesematerial für die Stunde bis zum Anpfiff war also gesichert.

 
Zaunfahnen hingen schon - im Stadion war allerdings noch nichts los, so dass der Flyer (netter Reisebericht vom Auswärtsspiel in Kaiserslautern) und das doch recht werbelastige Stadionheft durchgearbeitet werden konnte.
 
Nachdem in der Reihe unter uns tatsächlich noch zwei Zuschauer ihre Plätze nach kurzem Blick auf die Eintrittskarten tauschten und die Schweigeminute für den verstorbenen ehemaligen Präsidenten Hans Regelein abgehalten wurde, erfolgte der Anpfiff.
 
Die 2.203 Zuschauer verteilten sich relativ gleichmäßig auf drei Tribünen und sahen schon recht verloren aus. Die Stimmung war über die gesamte Spielzeit sehens- und höhrenswert, was man vom Spiel über weite Phasen leider nicht sagen konnte. 

Die Hausherren hatten in der dritten Minute die erste nennenswerte Aktion durch Haag, allerdings war Miller im Zweibrückener Tor auf dem Posten und konnte mit einer Fußabwehr klären. Zweibrücken fiel eher durch die textmarkergrünen Trikots mit teilweise überklebten Namensschildern auf - spielerisch merkte man von der ersten Minute, dass diese als Mannschaft noch zusammenfinden müssen.
 
Mannheim bemühte sich und bis zum Strafraum sah das auch ganz gut aus, aber dann fehlte entweder Entschlossenheit, Glück und/oder Durchschlagskraft. In der 28. Minute wurden zwei Schüsse der Hausherren abgeblockt, in der 31. Minute traf Ramaj den Pfosten und markierte damit die erste wirklich gefährliche Aktion des Spiels... schön ist anders.
 
In der 37. Minute musste Miller sich strecken um den Schuß zu entschärfen, in der 39. dann kompletter Blackout, den Förster dankend annahm - 1:0.
Zweibrückens Rückpass von Boxall auf Miller verhungerte auf halber Strecke, Förster war dann schneller am Ball als Miller - verdient auf jeden Fall. 
 
Mehr passierte bis zum Halbzeitpfiff nicht mehr und unter sonnigen 10 Grad ließ man sich von der Werbeschleife berieseln - die letzten 10 Spielminuten wurden übrigens von "Pfitzenmeier Wellness & Fitness Park" präsentiert - kein Witz.
Nach dem Seitenwechsel ging es so weiter, wie bisher - Mannheim lässt Ball und Gegner laufen, ist aber weiterhin ideen- und glücklos. In der 55. Minute verschenkte man das sichere 2:0 und somit die Vorentscheidung, als Yannik Haag frei vor dem Tor so ziemlich alles falsch machte, was man in so einer Situation machen konnte.
 
Nachdem Straub nach 64. Minuten noch eine gute Chance ungenutzt ließ, gaben die Gäste in der 68. Minute dann den ersten Torschuß ab...  mehr passierte bis zur letzten Minute dann auch nicht mehr.  
Dann ein Freistoß der Gäste tief in der gegnernischen Hälfte, Miller läuft mit nach vorne, Waldhof fängt den Ball ab, spielt schnell auf den eingewechselten Bari, der aber noch vor der Mittellinie abgefangen wird... passte zum heutigen Spiel.
 
Zweibrücken bekam dann noch mal einen Freistoß in der Nachspielzeit... aber da passte heute noch weniger zusammen als beim SV Waldhof - dann hatte die Schiedsrichterin auch genug gesehen und pfiff ab.

Spielerisch sehr schwere Kost, Zweibrücken ohne jede Torgefahr - aber tolles Stadion und sehr gute Stimmung auf den Rängen.... die Fans müssen in dieser Saison schon schlimme Szenen gesehen haben, wenn sie während so einem Spiel über 90 Minuten Stimmung machen.
Morgen wird es spielerisch bestimmt besser.
 
Mannheim springt auf Platz 9 und hat am Freitag ein Auswärtsspiel in Nöttingen, dann geht's gegen Koblenz. Zweibrücken hat am Sonntag Saarbrücken zu Gast und danach ein Auswärtsspiel in Offenbach. Wir bleiben der Regionalliga Südwest noch ein bisschen treu und haben Besuche im Waldstadion Kaiserlinde und im Auestadion eingeplant.
Morgen geht es aber erstmal in die Mittelrheinliga nach Eilendorf.

 

Aufstellung SV Waldhof Mannheim:
M. Krauss, R. Neupert, F. Brill, M. Seegert, M. Müller, K. Mesfin-Mulugeta, L. Radojewski (87. S. Lindner), P. Förster, S. Straub, Y. Haag (71. M. Nag), A. Ramaj (77. S. Bari).
Trainer: Kenan Kocak

Aufstellung SVN Zweibrücken:
T. Miller, D. Vlacic, N. Boxall, D. Hauck, N. Kupka, B. Arnold (86. E. Custic), M. Bildirici, M. Kim (55. Z. Köroglu), N. Lacagnina, R. Tafilovic (76. S. Kresovic), I. Caput.
Trainer: Guido Hoffmann

Torfolge:
 1:0 Philipp Förster (39.)

 

Schiedsrichter: Katrin Rafalski


Verwarnungen:

 60. Min. M. Seegert (Mannheim, Foulspiel)

 84. Min. F. Brill (Mannheim, Foulspiel)

 88. Min. E. Custic (Zweibrücken, Foulspiel)

 92. Min. P. Förster (Mannheim, Foulspiel)

Zuschauer: 2.203 (im Carl-Benz-Stadion)



Chancen:
 5:0 (3:0)
Ecken: 4:0 (2:0)

 

Weitere Ergebnisse des 22. Spieltages (Regionalliga Südwest 2014/15):
SpVgg Neckaralz (12.)
- TSG 1899 Hoffenheim II (10.) 3 : 0
1.FC Kaiserslautern (4.) - SV Elversberg (2.) 0 : 3
SV Eintracht Trier 05 (14.) - FC Astoria Walldorf (6.) 0 : 0
KSV Hessen Kassel (9.) - FC 08 Homburg (7.) 0 : 2
FK 03 Pirmasens (15.) - VfR Wormatia Worms (5.) 3 : 0
1.FC Saarbrücken (3.) - KSV Baunatal (16.) 4 : 0
Kickers Offenbach (1.) - SC Freiburg II (8.) 2 : 1 (Sonntag)
TuS Koblenz (18.) - FC Nöttingen (13.) 0 : 1 (Sonntag)

Nachtrag vom 26. Mai 2015:
Mannheim beendete die Saison auf Platz 13 - mit 20 Punkten war man das viertschlechteste Team der Rückrunde. Zweibrücken war in der Rückrunde der erwartete Punktelieferant: 17 Spiele, alle verloren und 2 : 49 Tore - am Ende Tabellenletzter mit insgesamt nur 15 Punkten und einer Tordifferenz von -65.

Nachtrag zum Saisonbeginn 2016/17:
Der SVN Zweibrücken und der FC Oberauerbach treten in Zukunft als Spielgemeinschaft auf - in der Weststaffel der Kreisliga B Pirmasens/Zweibrücken.

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Kommentar von mannemerfan | 08.03.2015

sehr schöner und passender bericht. Nur zwei kleine Fehler. Der zweite Abstieg in die Oberliga erfolgte 09/10 und nicht die Saison darauf. Der direkte wiederaufstieg war vor 18.313 Zuschauern gegen den FV Illertissen mit einem 6:0 Erfolg in der Saison 10/11.

Kommentar von Ergänzung | 08.03.2015

Nach der Saison 02/03 und dem Abstieg aus der 2. Liga ergielt man nicht "nur" keine Lizenz, sondern ging insolvent und daher direkt in die 4. Liga runter.

Und der scheiß Dietmar Hopp hat nicht im Mai 2008, sondern im Januar 2009 mit mehreren Darlehen (kann sein, dass es in der Summe sogar etwas mehr als 500k waren) die zweite Insolvenz abgewendet. Drei Jahre zuvor hat er allerdings die MVV, die bei uns als Großsponsor einsteigen wollte, auf den letzten Metern davon abgebracht. Sonst hätte er die eigene Schatulle gar nicht öffnen müssen!