Rot-Weiss Essen - VfB Speldorf (Niederrheinpokal)

27.05.2009 von Oliver

Niederrheinpokalfinale 2008/09 (27. Mai 2009)

Niederrheinpokalfinale 2008/09 (27. Mai 2009)

 Rot-Weiss Essen (Regionalliga West) - VfB Speldorf (Niederrheinliga)   2:3 (1:2)

Der Niederrheinligist VfB Speldorf, der im Halbfinale den Regionalligisten Kleve in der Verlängerung 3:2 bezwingen konnte, traf im diesjährigen Niederrheinpokalfinale auf den Regionalligisten und Titelverteidiger Rot-Weiss Essen, der im Halbfinale den Drittligisten Wuppertaler SV Borussia mit 2:1 aus dem Wettbewerb werfen konnten, nachdem man eine Runde früher schon Fortuna Düsseldorf ausschalten konnte. Der Sieger dieser Begegnung darf sich über 113.000 € garantierte Fernsehgelder freuen, da er in der nächsten Saison im DFB-Pokal antreten wird.

 

Für Speldorf ist es die erste Finalteilnahme, die Essener konnten den Pokal schon drei Mal gewinnen - letzte Saison gewannen sie vor fast 10.000 Zuschauern in der MSV-Arena (Duisburg) mit 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf. 

In der Liga lief es für den VfB in der Niederrheinliga bisher sehr erfolgreich, derzeit ist man vor dem 1.FC Union Solingen mit nur einer Saisonniederlage Tabellenführer, allerdings hat Solingen ein Spiel weniger und nur einen Punkt Rückstand.

Die sportliche Bilanz fällt für den Regionalligisten vor allem in der Rückrunde ernüchternd aus - aus 15 Spielen holte man nur 17 Punkte und rutschte dabei vom 3. Tabellenplatz zeitweise bis auf den 12. Tabellenplatz ab, was auch einige Trainerwechsel zur Folge hatte. Auf Michael Kulm, der die Mannschaft bis Ende März betreute, folgte Ernst Middendorp, der in seiner 29 Tage andauernden Amtszeit drei Punkte aus 5 Spielen holte, ehe er von Interimstrainer Ralf Außem abgelöst wurde, der die Mannschaft am 29. (3:0 gegen Kleve) und 30. Spieltag (2:2 bei Bor. Mönchengladbach II) betreute, ehe Thomas Strunz den Posten des Trainers übernahm.

Größte Vereinserfolge

Rot-Weiss Essen:
Deutscher Meister 1955 (4:3 gegen 1. FC Kaiserslautern)
DFB-Pokal Sieger 1953 (2:1 gegen Alemannia Aachen)
7 Spielzeiten in der 1. Bundesliga (zuletzt 1976/77)
16 Spielzeiten in der 2. Bundesliga (zuletzt 2006/07)

VfB Speldorf:
Deutscher Vize-Amateurmeister 1956 (2:3 gegen Spvgg. 03 Neu-Isenburg)
4 Spielzeiten in der Oberliga Nordrhein (zuletzt 2007/08)

 Aufstellung Rot-Weiss Essen:
Robin Himmelmann (1), Jozef Kotula (7), Dirk Caspers (35), Sebastian Zinke (50), Dennis Bührer (8), Stefan Kühne (19), Mike Wunderlich (13), Markus Neumayr (77), Robert Mainka (17), Sascha Mölders (9), Markus Kurth (18).
 46. Stefan Lorenz (5) für Jozef Kotula (7); 63. Marcel Stiepermann (41) für Markus Neumayr (77); 75. Michael Lorenz (21) für Dirk Caspers (35).
Teamchef: Thomas Strunz

  Aufstellung VfB Speldorf:
Marcel Grothe (23), Rafael Synowiec (7), Kevin Corvers (16), Christian Flöth (4), Jaroslav Stankiewicz (2), Hasan Ramadani (10), Christian Hinz (22), Thorsten Schmugge (8), Dennis Hupperts (6), Alexander Scheelen (21), Oktay Güney (9).
 57. Apostolos Sakalakis (19) für Hasan Ramadani (10); 63. Oliver Rademacher (20) für Jaroslav Stankiewicz (2); 78. Tahar Elidrissi (5) für Dennis Hupperts (6).
Trainer: Dirk Wißel

Schiedsrichter: Peters (Goch)

Stadion (Zuschauer):  Georg-Melches-Stadion, Essen (6.200)

Spielverlauf:

Was für ein Spiel! Und was für ein Debakel für Rot-Weiss Essen und ihren Teamchef Thomas Strunz!
Die Essener, die dem VfB Speldorf das Heimrecht vorher abkauften, gingen als haushoher (zwei Klassen höher spielend) Favorit in diese wichtige Partie - und versagten kläglich.

Bereits nach 34 Sekunden musste RWE-Keeper Himmelmann, der heute alles andere als einen guten Tag erwischte, hinter sich greifen. Einen Freistoß von der linken Seite brachte Dennis Hupperts punktgenau auf den Kopf von Christian Flöth, der zum 0:1 aus Sicht der Hausherren einköpfte. Der Favorit reagierte mit wütenden und kopflosen Anrennen auf die sicher stehende Speldorfer Abwehr, die den Ball meist noch vor dem Strafraum klären konnte und mit langen Bällen den schnellen Güney suchte. Güney war es auch, der in der 12. Spielminute nur knapp am RWE-Tor vorbeiköpfte und so für eine Vorentscheidung hätte sorgen können.

Kurz darauf konnten die Hausherren den Ausgleich bejubeln - nach einem Foul an Markus Neumayr brachte Mike Wunderlich den Ball aus 25 Metern im langen Eck unter. Trotz des Ausgleiches agierten die Rot-Weissen weiter ziel- und planlos - sie brachten den Ball zwar einige Male in eine gefährliche Position, statt aber direkt den Abschluß zu suchen, wurde lieber noch mal quer- oder zurückgelegt, so dass sich die Speldorfer Abwehr bzw. deren Schlußmann optimal positionieren konnte.

Nach 27 Minuten war es dann wieder so weit - wieder Freistoss für den VfB, dieses Mal allerdings von der rechten Seite, wieder hoch in den Strafraum durch Hupperts, dieses Mal kann Oktay Güney ungehindert im 5-Meter-Raum hochsteigen und zur erneuten Führung für den Niederrheinligisten einköpfen. Die folgenden Angriffsbemühungen der Essener sind nicht erwähnenswert - egal ob von rechts oder von links - im Ansatz sieht es vielversprechend aus, wirklich gefährlich wird es allerdings erst in der 43. Minute wieder.
Nach einer Flanke von der rechten Seite konnte Güney, mit 1,80 Meter Körpergröße eigentlich nicht zu übersehen, wieder unbehelligt zum Kopfball hochsteigen - sein Kopfball ging aber wieder knapp vorbei.
Nach dem Seitenwechsel erneutes Anrennen der Hausherren - Stefan Kühne zieht zwei Mal aus rund 20 Metern ab - einmal geht der Ball knapp drüber, beim anderen Mal ist VfB-Keeper Grote zur Stelle und kann klären. Speldorf steht mit 10 Mann in der eigenen Hälfte und wartet auf einen Ballverlust der Essener - wie in der 52. Minute als Güney, den Essen nicht mal ansatzweise ausschalten konnte,  erneut hoch und weit geschickt wird, aber knapp drüberschießt. Im direkten Gegenzug hatte Mainka noch eine gute Torchance, schoß aber ebenfalls knapp über das Tor. Über die darauffolgenden Angriffe der Hausherren hüllen wir erneut den Mantel des Schweigens - Markus Kurth, der in seiner Vita über 100 Bundes- und über 200 Zweitligaspiele vorweisen kann, und Sascha Möders, mit 26 Toren der treffsicherste Spieler der Regionalliga West, waren heute schlicht und ergreifend Totalausfälle. 
Erst nach 67 Minuten kam wieder Unruhe im Speldorfer Strafraum auf - nachdem Grote einen Schuß unglücklich abwehrte, kamen die RWE-Stürmer aber zu spät und konnten nicht erfolgreich nachsetzen. 
Im folgenden Spielzug wurde es dann richtig peinlich - ein langer Ball  auf Güney setzte zwischen Abwehrspieler Bührer und Torwart Himmelmann auf und rollte Richtung Strafraum - total ungefährlich. Bührer eilt zurück, Güney läuft mit gut zwei, drei Metern Abstand hinter Bührer her - immernoch ungefährlich... dann rast Himmelmann aus seinem Kasten und will den Ball weggrätschen, erwischt aber nicht den Ball sondern senst Bührer, der daraufhin behandelt werden musste, in bester Zweikampfmanier um, Güney sagt "Danke" und schiebt den Ball aus kurzer Distanz ins leere Tor.... unfassbar!
Dem eingewechselten Stiepermann gelang eine Viertelstunde vor Schluß noch der Anschlusstreffer, in der 83. Minute scheiterte er dafür aber kläglich an Grote. Die letzte Chance hatte Lorenz in der Nachspielzeit - dessen Kopfball ging aber übers Tor.

Nach dem Abpfiff verschwanden sowohl die RWE-Spieler aus auch ein Großteil der Zuschauer, die meisten wort- und ratlos - damit hatte niemand gerechnet. Auf dem Rasen und im Gästeblock der Gegengerade brach grenzenloser Jubel aus - der VfB Speldorf erreicht die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals 2009/2010 und darf auf attraktive Gegner hoffen.
 

Abschließen möchte ich meinen Spielbericht mit zwei Zitaten:
Teamchef Thomas Strunz: „Ein sportliches, finanzielles und imagemäßiges Desaster!”
RWE-Vorsitzender Stefan Meutsch: „Wir müssen uns schämen. Nur ein grundlegender Neuaufbau im sportlichen Bereich bringt uns weiter.”

Torfolge:  
 0:1 Flöth (1.),
 1:1 Wunderlich (17.),
 1:2 Güney (27.),
 1:3 Güney (68.),
 2:3 Stiepermann (76.).

Verwarnungen:  
 81. Sascha Mölders (RWE), Foulspiel
 70. Oktay Güney (Speldorf), Ballwegschlagen
 25. Jozef Kotula (RWE), Foulspiel 

Chancen: 12:6 (5:4)
Ecken: 5:0 (3:0)


Nachtrag vom 18.06.2009:

Rot-Weiss Essen beendete die Regionalligasaison auf dem siebten Tabellenplatz, der VfB Speldorf machte am 7. Juni die Niederrheinmeisterschaft perfekt (3 Punkte vor Union Solingen) - aufgrund fehlerhafter Lizenzunterlagen verschob sich der Aufstieg in die NRW-Liga aber um etwa 10 Tage.

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