Liechtenstein - Andorra (Freundschaftsspiel)

14.08.2012 von Oliver

Freundschaftsspiel (14. August 2012)
Liechtenstein - Andorra  1:0 (1:0)

Schon im Juni wurde mit der Planung für diesen Kurztrip nach Liechtenstein begonnen - die Europameisterschaft wurde vor dem heimischen Fernseher eher halbherzig verfolgt, die "großen Fussballnationen" mit ihren "Stars und Sternchen" auf und neben dem Platz hat man schon zugenüge gesehen... dazu noch einige Kommentatoren und Moderatoren vor/während und nach den Spielen, die mal besser einen anständigen Beruf gelernt hätten... sowie "Nachrichten" und "Berichte" darüber, warum der Scholl den Gomez nicht mag, obwohl der doch so ein toller Torjäger ist, warum Oliver Kahn für das ZDF von Usedom co-moderiert und keine Ahnung hat, wer oder was Twitter eigentlich ist und wieso man für eine Europameisterschaftsgruppentabelle mindestens vier Jahre Mathematik studiert haben muss um aufgrund des "direkten Vergleiches" zu verstehen, wer wann wie und wieso überhaupt weiter kommt... muss ich nicht haben! Muss ich mich als Fussballfan eigentlich dafür schämen, dass ich mehr Zeit vor dem Fernseher für Olympia als die Europameisterschaft "geopfert" habe?

Aber Liechtenstein - Andorra... da hat es schon gekribbelt, als Mitte Juni auf der FIFA-Seite mehr aus Langeweile (siehe Einleitung zu diesem Bericht) durch die anstehenden internationalen Freundschaftsspiele geblättert wurde.... übrigens Glückwünsch nach Spanien zum Gewinn der Europameisterschaft 2012 und viel Spaß beim Confederations Cup.

Beide Mannschaften spielen außerdem zum ersten Mal gegeneinander - wenn das mal kein Grund für einen rund 1.200 Kilometer Kurztrip unter der Woche ist, dann weiß ich es auch nicht. Nach der schnellen Rückantwort vom Verband, dass das Spiel um 17:00 Uhr angepfiffen werden soll, konnte sowohl die eigene Planung (siehe etwas weiter unten) verfeinert als auch Wikipedia bestätigt werden - man spricht Deutsch im Fürstentum, was einen Besuch wesentlich leichter machen sollte (my english is not the yellow from the egg).
Da Liechtenstein weder über einen Flughafen noch über ein erwähnenswertes Schienennetz verfügt, konnte die Anreise nur über die Schweiz oder Österreich erfolgen. In Schaan gibt es zwar, laut Internet, einen eingleisigen Bahnhof, der allerdings nur von Feldkirch aus zu erreichen wäre... bahn.de schlug dazu immer vor den Bus von Feldkirch aus zu nehmen, außerdem wären es dann auch noch einmal mehr umsteigen und zugleich auch noch teurer gewesen... muss ja nicht sein! Auch sbb.ch, im Prinzip das bahn.de der Schweiz, bot nur den Bus nach Schaan an... scheint ein komischer "Bahnhof" zu sein.

Eine (!) Direktverbindung ohne Umsteigen usw. gab es von Bonn sogar, allerdings wäre die Ankunftszeit (wenn der Zug pünktlich wäre) dann um 16:19 in Sargans gewesen und somit zeitlich wahrscheinlich zu knapp.
Die Preisstaffelung der Bahn war sehr interessant: Egal ob man um 04:16 Uhr oder 07:14 Uhr abfährt, der Preis war identisch - 07:33 Uhr wäre allerdings direkt 70.- € teurer (für 2 Personen).... aufgrund der Preise wurde auch kurz ein Flug von Köln/Bonn nach Zürich in Erwägung gezogen, da die Schweizer Bahn aber ähnlich teuer ist, würde das kaum Kosten sparen. Am Ende wurde sich für die Verbindung Bonn (07:14) - Mannheim (09:36) - Basel (12:07) - Sargans entschieden, einen pünktlichen Zug vorausgesetzt (was bei Abfahrtgleis 3 in Bonn doch bezweifelt wurde) wären wir um 14:19 in Sargans, wo es dann noch etwa eine halbe Stunde mit dem Bus nach Vaduz weiter gehen sollte. Die Rückfahrt sollte um 19:58 Uhr erfolgen, dann wären wir so gegen 05:20 Uhr wieder in Bonn - Mittwochabend ist schließlich Kreispokal in Bergheim!

Eine erneute Anfrage beim Verband bezüglich eines Kartenvorverkaufs steigerte die Vorfreude noch ein wenig. In der Antwortmail hieß es "Der Eintritt zum Spiel ist gratis."Jetzt aber genug der Reiseplanung und hin zur Spielvorschau.

Das letzte Heimspiel bestritt Liechtenstein am 11. November 2011 gegen Ungarn und verlor mit 0:5. Davor gab es eine 0:1 Niederlage gegen Schottland im Rahmen der Qualifikation für die Europameisterschaft 2012. In eben dieser gelang im Juni 2011 ein 2:0 über Litauen - zugleich der einzige Sieg in der Qualifikationgruppe G.
Die Gäste aus Andorra gingen in der EM-Qualifikation in allen zehn Spielen als Verlierer mit insgesamt 1:25 Toren vom Platz. Anfang Juni verlor man ein Freundschaftsspiel in Polen mit 0:4, davor trotzte man Aserbaidschans Nationalmannschaft in Kelsterbach ein 0:0 ab. Die bisherigen drei Länderspielsiege gelangen allesamt zu Hause, der letzte Erfolg - datiert vom 13. Oktober 2004 - als man Mazedonien 1:0 besiegen konnte... vielleicht wird ja heute der erste Auswärtssieg der Verbandsgeschichte gefeiert.


Die Anreise zum Rheinpark Stadion in Vaduz begann um 06:15 Uhr auf dem Parkplatz des Huma-Geländes... vier Leute sind da anzutreffen gewesen, einer auf einer Kehrmaschine, zwei auf dem Weg nach Liechtenstein und der Thommy, Wegbegleiter aus alten Bonner SC Zeiten, auf dem Weg zur Arbeit - auch an dieser Stelle nochmals "Gute Besserung.". Gegen Viertel vor sieben am Bonner Hauptbahnhof erst mal ein kleines Frühstück zu sich genommen und pünktlich (!) um 07:14 Uhr ging es über Koblenz und Mainz nach Mannheim, unter anderm am Ascheplatz in Mehlem vorbei. Der Zug fuhr pünktlich in den Bahnhof ein und auf Gleis 4 wartete schon der ICE 373, der uns über Karlsruhe und Freiburg nach Basel brachte, wo wir um 11:45 Uhr pünktlich (!) ankamen. Auch in Basel wartete bereits der Anschlußzug, mit dem es über Zürich bzw. am Zürichsee (toller Anblick) vorbei über Thalwil und Ziegelbrücke zum Reiseziel Sargans (wahnsinns Panorama) ging. Pünktlich auf die Minute... die Bahn erarbeitete sich Pluspunkte. Nachdem in Sargans das Bergpanorama bestaunt wurde, ging es zur direkt am Bahnhof liegenden Bushaltestelle, wo die Linie 12E gerade einfuhr.

 
Tagesticket für 2 Personen bis Vaduz Post kostete 23,20 CHF (19,40 €) und wurde vom freundlichen Busfahrer ausgehändigt.
 
Die Fahrt zur Haltestelle "Vaduz Post", gleichzeitig Endstation, dauerte rund 20 Minuten und führte im sauberen und klimatisierten Bus neben Bergen, Bergen und noch mehr Bergen im Hintergrund auch an den Plätzen vom FC Mels (5. schweizer Liga) und vom FC Trübbach (4. schweizer Liga) vorbei.

In Vaduz angekommen sind es, geschätzt, etwa 200 Meter Fußweg geradeaus am Liechtensteiner Kunstmuseum vorbei, dann im Kreisverkehr links rund 400 Meter die Lettstraße runter bis zum Rheinpark Stadion, das um 15:15 Uhr wenige Augenblicke vor der Nationalmannschaft Andorras erreicht wurde.

 

Einlaß war um 16:00 Uhr, die ersten "VIPs" mit Ausweisen um den Hals betraten allerdings schon vorher das Stadion. Beim Anblick des Panoramas hinter der Tribüne war sofort klar, schlechte Spiele kann es hier nicht geben... echt ein toller Anblick - auch die vier komplett überdachten blau-rot sowie ein bisschen gelb bestuhlten Sitzschalen auf den vier Tribünen, von denen heute nur die Haupttribüne geöffnet war, machten einen guten Eindruck.

 

Nach einer kurzen Diskussion mit dem, stets freundlichen, Ordnungsdienst, dass eine Bridgekamera keine Spiegelreflexkamera ist und somit mit ins Stadion kam, ging es rein in den Innenraum.

 

Direkt rechts am Eingang gab es das "Vaduz Catering".
Während sich beide Mannschaften warm machten, flimmerten auf der Anzeigetafel (klein, aber gut zu erkennen) die nächsten Termine für die Liechtensteiner Fußballfans durch - 07. September gegen Bosnien-Herzegowina (schon ausverkauft) und am 12. Oktober gegen Litauen - nur für den Fall, dass sich jemand auf die Reise machen will.

  

Nach dem Abgesinge der Nationalhymnen (in der Mitte des kostenlosen Stadionheftes gab es beide Hymnen zum mitlesen) ging das Spiel auch schon los. Übrigens: zum freien Eitritt (weil am Mittwoch Nationalfeiertag ist) gab es für jeden Besucher ein Gratisgetränk sowie eine Bratwurst umsonst... haben wir in Deutschland nicht auch irgendwann mal einen Nationalfeiertag?

 

Das Spiel selbst wird wohl nur David Hasler, Nummer 7 der Nationalmannschaft Liechtensteins, in Erinnerung bleiben - heute erzielte er sein erstes Länderspieltor - so viel sei schon vorab verraten. Die Gäste aus Andorra gestalteten die ersten Minuten überraschend druckvoll und hatten in der neunten Minute durch einen Flachschuß direkt von der Strafraumkannte durch Clemente (Nummer 15) die erste Chance des Spiels, der Ball konnte allerdings zur Ecke geklärt werden.

 

Zwei Minuten später wieder Andorra im gegnerischen Strafraum, der Spieler versuchte es mit einem halbhohen Schuß, direkt in die Arme des Torwartes. Ab der zwanzigsten Minute löste sich Liechtenstein langsam aber sicher und kam selber zu Chancen, Frick setzte einen Kopfball knapp neben das Tor.

 

In der 22. Spielminute überraschte man die Gäste aus Andorra, deren Fußballspiel nach der Maxime "den Ball von hinten einfach möglichst weit und hoch nach vorne ballern", mit einem schnell ausgeführten Freistoß auf Hasler, dessen eigentlich harmloser Schuß vom Schlußmann nicht festgehalten werden konnte. Auch drei Minuten später machte Andorras Torwart, Josep Antoni Gomes, keine gute Figur, einen Schuß von außerhalb des Strafraums konnte erst im Nachfassen entschärft werden. Nach etwas mehr als einer halben Stunde prüfte erneut Hasler den Torwart, der dieses Mal sicher zupacken konnte.

 

Am auffälligsten waren heute David Hasler (Nummer 7) und Nummer 23, Michele Polverino, auf Seiten der Hausherren und auf Seiten der Gäste Marc Pujol (Nummer 7) und Ludovic Clemente (Nummer 15 ), die für ordentlich Wirbel in der Liechtensteiner Hintermannschaft sorgten.

 

Als man sich gedanklich schon mit dem 0:0 zur Halbzeit abgefunden hatte und auf dem Weg zum Würstchenstand war, noch mal kurz auf das Spielfeld geguckt - Hasler nimmt aus etwa zwanzig Metern Maß, wird nicht angegriffen und jagt den Ball rechts oben in den Winkel - aufgrund der spielerischen Überlegenheit durchaus verdient.

 

In der Halbzeitpause wurde das Flutlicht eingeschaltet und es gab drei Wechsel auf Seiten Andorras und zwei bei Liechtenstein - insgesamt wechselte Liechtenstein heute vier Mal, Andorra sieben Mal. Direkt nach dem Wiederanpfiff setzte Liechtenstein einen Freistoß aus rund zwanzig Metern über die Latte - kurz darauf eilten die Sanitäter auf dem Platz um Lima, die Nummer 20 Andorras, zu behandeln, der Spieler konnte den Platz allerdings selber verlassen, dürfte allerdings über ziemliche Kopfschmerzen klagen.

 

In der 54. Minute ein schönes Kombinationsspiel der Hausherren über mehrere Stationen, mit Endstation Torwart - generell wurde das Spiel im zweiten Durchgang sehr, sehr zähflüssig. Andorra brachte nichts mehr zu Stande und Liechtenstein schien insgesamt mit der Führung zufrieden zu sein. Zwanzig Minuten vor dem Abpfiff prüfte Liechtenstein den mitlerweile eingewechselten Ersatztorwart Andorras, der mit dem Schuß allerdings keinerlei Probleme hatte. So langsam profitierte das Spiel in den Augen des neutralen Betrachters vom tollen Panorama... auf dem Platz passierte nichts, was auch der Herr hinter uns zum Ausdruck brachte "Hier spielt Elend gegen Armut.", ich wollte jetzt nicht nachfragen, in welcher Trikotfarbe Elend und in welcher Armut spielt - aber recht hatte er schon irgendwie.

 

Wenige Momente vor dem Abpfiff hätte der eingewechselten Christen eigentlich das 2:0 erzielen müssen, allerdings legte er sich den Ball viel zu weit vor, nach zwei Minuten Nachspielzeit war Schluß. 

 

Trotz schnellem Marsch zurück zur Haltestelle wurde der Bus 12E (19:01) von Vaduz Post leider verpasst, so dass auf die Linie 12, die um 19:20 Uhr abfuhr, zurückgegriffen werden musste. Zeitlich wurde es daher etwas knapp, da um 19:58 Uhr die Rückfahrt von Sargans aus losgehen sollte und die Line 12 rund 31 Minuten bis Sargans Bahnhof brauchte - aber es klappte, so dass es von Gleis 2 aus Richtung Zürich zurückging. Nebenbei bemerkt, am Mittwoch fahren aufgrund des Nationalfeiertags alle Busse in Liechtenstein gratis... könnte man vielleicht auch mal in Deutschland anregen...). In Zürich funktionierte der Zugwechsel und die Rückfahrt nach Basel tadellos... in Basel ging es dann in den "Intercity Night Line" zurück nach Bonn. Also ehrlich liebe Bahn, wer auch immer diese "Ruhesessel", die weder bequem noch ruhig noch sonst irgendwie zu empfehlen sind, erfunden hat, hätte besser was anderes gemacht. Außerdem für diese fahrende vollgestopfte Jugendherberge 10.- € pro Sitzplatzreservierung zu verlangen... schon ein starkes Stück... und dabei hättet ihr heute aufgrund der reibungslosen Hinfahrt ordentlich punkten können. Naja, was solls - nachdem man in Mannheim rund zwei Stunden warten musste, kamen wir um 5:20 Uhr in Bonn an, pünktlich und entnervt gab es noch ein kleines Frühstück und dann ging es ab nach Hause.

Da nach dem Spiel vor dem Spiel ist: Die WM 2014 - Qualifikation beginnt für Andorra in Gruppe D am 7. September mit einem Heimspiel gegen Ungarn, Liechtenstein startet am gleichen Tag in Gruppe G gegen Bosnien-Herzegowina.
Da hier auch einige Groundhopper, Fussballfans und Fussballverrückte mitlesen, die vielleicht noch nicht in Vaduz waren... fahrt hin - es lohnt sich - fahrt allerdings nicht mit dem "Intercity Night Line" zurück, sowas will keiner mitmachen.

 

Aufstellung Liechtenstein:
P. Jehle (46. B. Büchel), Y. Oehri, D. Kaufmann, I. Quintans, M. Stocklasa, D. Hasler (90. V. Flatz), T. Beck (46. P. Erne), M. Frick (81. M. Christen), F. Burgmeier, N. Hasler, M. Polverino.

Trainer: Hanspeter Zaugg

Aufstellung Andorra:
J. A. Gomes (66. F. Pol), D. Maneiro, E. Garcia (46. O. Sonejee), M. Pujol (46. C. E. Peppe), M. Vieira (46. J. M. Ayala), F. Silva (66. J. C. Toscano), S. Moreno, L. Clemente (71. M. Garcia), M. Vales, A. Rodrigues (57. A, Martinez), I. Lima.
Trainer: Koldo Alvarez

Torfolge:
1:0 D. Hasler (45.)


Verwarnungen:

85. Min. I. Lima (Andorra, Foulspiel)

 

Zuschauer: 847 (im Rheinpark Stadion in Vaduz)


Chancen:
 5:1 (3:1)
Ecken: 4:2 (2:2)

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben