KSV Hessen Kassel - FC Astoria Walldorf (Regionalliga)

21.03.2015 von Oliver

24. Spieltag Regionalliga Südwest (21.März 2015)
KSV Hessen Kassel (11.) - FC Astoria Walldorf (7.)  4 : 0 (2:0)
Heute war das Auestadion in Kassel Ziel unserer Reise - ein weiterer Ground in der Regionalliga Südwest, sowie ein Stadion aus der Top 100 Liste. Bei den Hausherren zeigt die Formkuve aktuell nach unten, aus den letzten fünf Spielen holte man nur zwei Punkte - letzten Sonntag gelang der Ausgleich in Freiburg erst in der 92. Minute. Die Gäste spielen als Aufsteiger in ihrer ersten Regionalligasaison sehr gut mit und trotzten am vergangenen Wochenende dem Tabellenführer aus Offenbach ein 1:1 ab. 
Aktuell trennen beide Mannschaften drei Punkte und fünf Tore in der Tabelle, das Hinspiel in Walldorf endete 1:1.


Kassel... wie schon Mannheim, Homburg, Worms, Koblenz und Trier ein weiterer ehemaliger Zweitligist, der jetzt in der Regionalliga Südwest spielt. In Kassel kann man auf acht Spielzeiten in der 2. Bundeslig und eine bewegte, teilweise extrem stürmische Vergangenheit verweisen. In den sechs Spielzeiten zwischen 1980/81 (damals noch Südstaffel 2.Bundesliga) bis 1985/86 beendete man gleich vier auf dem unglücklichen vierten Tabellenplatz. Mal fehlten ein paar Punkte (2 auf den MSV Duisburg 83/84), mal nur ein paar Tore (5 auf den 1.FC Saarbrücken 84/85) zum möglichen Sprung in die oberste Spielklasse. Nach dem fünften Platz 1985/86 fiel die Mannschaft auseinander und stieg in der folgenden Spielzeit als Tabellenvorletzter ab. 1989/90 kehrte man noch mal in die 2. Bundesliga zurück und stieg aufgrund der deutlich schlechteren Tordifferenz direkt wieder ab. Der mögliche direkte Wiederaufstieg scheiterte dann in der Aufstiegsrunde an 1860 München. Im Juli 1993 gliederte man die Fussballabteilung aus dem in die insolvenz gehenden Hauptverein aus und spielte fortan als FC Hessen Kassel. Im November 1997 musste man als Südregionalligist nach dem 20. Spieltag mit 17 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz liegend ebenfalls Insolvenz anmelden und zog die Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. Zwei Monate später wurde der Verein komplett aufgelöst, ein Neustart erfolgte in der achten Spielklasse, der Kreisliga A.
4 Aufstiege in vier Spielzeiten folgten und 2002/03 war man Oberligist, 2006/07 wieder Regionalligist.
2008/09 verpasste man den Sprung in die 3. Liga um einen Punkt, 2012/13 scheiterte man als Südwestmeister in den Aufstiegsspielen an Holstein Kiel... die letzte Saison verlief mit Platz 13 weniger erfolgreich.

Bei den Gästen aus Walldorf machten sich die beiden Fussballvereine "1.FC" und "SG Astoria" jahrelang Konkurrenz in den unteren Ligen, ehe man fusionierte und 1994/95 in der Bezirksliga Heidelberg spielte, aus der man prompt aufstieg. Es folgten sechs Spielzeiten in der Landesliga Rhein/Neckar, sowie sechs Spielzeiten in der Verbandsliga Nordbaden. 2007/08 gelang der Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg, in der man durchweg oben mitspielte und letzte Saison Meister wurde - defintiv eine Fusion, die sich gelohnt hat - und eine nicht ganz so stürmische Vergangenheit wie die der Gastgeber.

Die Fahrt ins rund 250 Kilometer entfernte Kassel war größtenteils verregnet und ohne nennenswerte Höhepunkte. Das Auestadion war bereits 6 Kilometer vorher ausgeschildert, wir entschieden uns für Parkplatz 2 und mussten so rund 500 Meter zu Fuß zurücklegen. Gegenüber vom Auestadion liegt die Eissporthalle Kassel, Heimat der Kassel Huskies, die es mit "nur live ist geil" auf den Punkt brachten. Am Fanstand vor dem Stadion wurde einer von drei zur Auswahl stehenden Schals für 13.- € erworben, die Tribünenkarten kosteten 18.- €.

Etwa 45 Minuten vor Anpfiff wurde das Stadion betreten... sehenswerter Anblick die ovalen angeordneten Tribünen. Haupt- und Osttribüne nebst zweier kleiner Nebentribünen sind rot bestuhlt und komplett überdacht, Nord- und Südtribüne komplette Stehplatztribünen - insgesamt Platz für 18.737 Zuschauer.

Nachdem die Vereinshymne gespielt wurde, ein Blick ins Stadionheft... nach zweimaligen Lesen des Artikels über den neuen "Chefmährer" erschließt sich mir dessen Sinn immer noch nicht 100%... man will damit wohl die Kommunikation zwischen den Fans auf der Tribüne und dem Verein verbessern und der "Chefmährer" soll dabei helfen... laut Stadionheft eine Aktion, die deutschlandweit für viel Aufsehen gesorgt hat - ist bisher komplett an mir vorbei gegangen - aber wenn es hilft, warum nicht!
Die zwei Seiten "Anno Dazumal" mit Berichten aus vergangenen Tagen fand ich da schon spannender - insgesamt ein gut gemachtes Heft. Unter AC/DC "Hells Bells" wurden die Spieler aufs Feld geleitet und traurig aber wahr... mehr Zuschauer werden es wohl nicht.
 
Und in der Anfangsphase verpasste man auch nicht wirklich was - Kassel war die deutlich engagiertere Mannschaft, dribbelte sich aber häufig fest. Feigenspan prüfte in der achten Minute Walldorfs Keeper, der den Ball aber über die Latte lenken konnte.
Nach rund 20 Minuten ein Kasseler Kurzpassfestival vor und im gegnerischen Strafraum, ehe der Assistent auf Abseits entschied und man sich die Frage stellen musste, warum nicht mal ein Spieler den Abschluss suchte.
 Dann auch mal die Gäste gefährlich, als Etzold in der 21. Minute einen Abstimmungsfehler in der Abwehr nutzte, dann aber vor dem Tor vergab.

In der 35. Minute dann ein ungefährlicher Freistoß der Gäste und ein ebenso ungefährlicher Konter der Hausherren... spielerisch war noch "etwas" Luft nach oben, die Stimmung der Fans war auf jeden Fall besser als das Spiel.

Als die letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit eingeläutet wurden, fielen auch endlich die ersten Tore. Nach einem Freistoß war Kassels Girth noch an den Ball gekommen und konnte so das 1:0 erzielen. Kurz darauf setzte sich Stefan Müller mit einem Seitfallzieher nach einer Ecke gleich gegen drei Gegenspieler durch und erhöhte mit dem Halbzeitpfiff auf 2:0.
 
Unter Applaus ging es für Kassel in die Kabine. In der Halbzeitpause wurde, zum Glück, "Tage wie dieser" von einigen Werbejingels unterbrochen.
 
Lediglich die gelben Karten in der 54. Minute gegen Walldorfs Etzold wegen Foulspiels und Carl wegen Reklamierens waren die "Farbtupfer" im Spiel der Gäste. Diese waren heute völlig von der Rolle und brachten in der zweiten Halbzeit nicht eine auch nur ansatzweise gefährliche Szene zustande.
 
In der 58. Minute zeigten die Gastgeber, dass sie doch erfolgreich kontern können, und erhöhten durch Girths zweiten Treffer auf 3:0. Jubel vor allem in einer Ecke im weiten Rund - Walldorfs Spieler völlig von der Rolle.
 
Die Gegenwehr der Gäste beschränkte sich auf kleinere und größere Fouls, spielerisch kam da nichts zusammen - Kassel legte sich den Gegner zurecht, war aber zu ballverliebt um auf 4:0 oder 5:0 zu erhöhen... verdient wäre es gewesen.
 
Als Walldorf nach einer Ecke mal ansatzweise für Gefahr sorgte, schlug Benjamin Girth erneut zu. Nach einem Doppelpass ist er völlig frei im Strafraum und netzt zum dritten Mal ein.
 
In den letzten zwei Minuten konnte Kassel sich den Ball dann unter Szenenapplaus in den eigenen Reihen zuspielen, dann ging es auf die Ehrenrunde - mit 4:0 waren die Gäste noch gut bedient.

Kassel zieht in der Tabelle an Walldorf vorbei und spielt kommenden Samstag in Elversberg, danach steht das Derby gegen Baunatal an. Walldorf empfängt am Freitagabend Pirmasens, dann geht es nach Neckarelz.

Aufstellung KSV Hessen Kassel:
K. Rauhut, S. Schmik, N. Perrey, S. Müller, T. Schulze, T. Becker, E. Gaede (62. S. Evljuskin), D. Lemke (72.Y.-W. Jung), T. Damm, M. Feigenspan (83. M. Dawid), B. Girth.
Trainer: Matthias Mink

Aufstellung FC Astoria Walldorf:
R. Wulle, M. Glaser, M. Kaufmann, T. Nyenty, B. Hofmann, S. Haas (65. M. Albrecht), S. Sieger, T. Kern (69. N. Hillenbrand), A. Schön (65. P. Geist), M. Carl, D. Etzold.
Trainer: Matthias Born

Torfolge:
 1:0 Benjamin Girth (41.)
 2:0 Stefan Müller (45.)
 3:0 Benjamin Girth (58.)
 4:0 Benjamin Girth (84.)

 

Schiedsrichter: Matthias Jöllenbeck (Freiburg)


Verwarnungen:

 6. Min. E. Gaede (Kassel, Foulspiel)

 41. Min. T. Kern (Walldorf, Halten)

 44. Min. A. Schön (Walldorf)

 54. Min. D. Etzold (Walldorf, Foulspiel)

 54. Min. M. Carl (Walldorf, Recklamieren)

 60. Min. S. Müller (Kassel, Foulspiel)

 84. Min. Y.-W. Jung (Kassel, Foulspiel)

 

Zuschauer: 1.000 (im Auestadion Kassel)



Chancen:
 8:1 (4:1)
Ecken: 6:2 (5:1)

 

Weitere Ergebnisse des 24. Spieltages (Regionalliga Südwest 2014/15):
SV Waldhof Mannheim (10.) - TuS Koblenz (18.) 1 : 2 (Freitag)
1.FC Saarbrücken (3.) - FC Nöttingen (12.) 1 : 0 (Freitag)
Kickers Offenbach (1.) - SV 07 Elversberg (2.) 0 : 0 (Freitag)
VfR Wormatia Worms (5.) - TSG 1899 Hoffenheim II (8.) 1 : 2
FK 03 Pirmasens (15.) - SC Freiburg II (9.) 1 : 1
Spvgg. Neckarelz (13.) - FC 08 Homburg (6.) 1 : 1
SV Eintracht Trier 05 (14.) - KSV Baunatal (16.) 1 : 0
1.FC Kaiserslautern II (4.) - SVN Zweibrücken (17.) x : x (verlegt auf Mi., 08. April um den Rasen im Fritz-Walter-Stadion für das anstehende Länderspiel zu schonen)

Nachtrag vom 26. Mai 2015:
Kassel beendete die Saison mit 47 Punkten auf Platz 10, Walldorf landete auf dem achten Platz.

Zurück

Einen Kommentar schreiben