Fortuna Düsseldorf - SC Paderborn 07 (2. Bundesliga)

02.08.2015 von Oliver

2. Spieltag 2. Bundesliga 2015/16 (02.August 2015)
 Fortuna Düsseldorf (7.) - SC Paderborn 07 (12.)  1 : 2 (1:0)
Der 2. Spieltag der 2. Bundesliga läutete heute unseren Saisonauftakt ein, da wir bei der Begegnung zwischen Fortuna Düsseldorf und dem letztjährigen Bundesligisten SC Paderborn in der ESPRIT-Arena zu Gast sein werden.
Für die Fortuna nicht unbedingt sowas wie ein Lieblingsgegner - von bisher 8 Heimspielen gab es lediglich 09/10 einen klaren 3:0 Erfolg. Beim letzten Aufeinandertreffen im Aufstiegsjahr der Paderborner gab es mit 1:6 eine heftige Klatsche am 12. Spieltag.
Paderborn verlor den Saisonauftakt zu Hause gegen Bochum mit 0:1, Düsseldorf startete mit einem 1:1 bei Union Berlin in die neue Spielzeit.  

Unser letzter Besuch in der ESPRIT-Arena war im März 2009 - damals wurde die BayArena umgebaut und Bayer Leverkusen empfing die Frankfurter Eintracht zum "Heimspiel" in der damaligen LTU-Arena - kein Spiel an das man sich wirklich erinnern muss. Das letzte Heimspiel in einer Liga, dass ich von der Fortuna besuchte, liegt wesentlich weiter zurück und trotzdem habe ich es noch in guter Erinnerung - im November 2003 war der Bonner SC bei der Fortuna im Paul-Janes-Stadion zu Gast und ich konnte einen Haken hinter mein erstes BSC-Auswärtsspiel machen (viele weitere sollten folgen).

Wetter war schlecht, Spiel einseitig (BSC verlor 1:3)... trotzdem verdammt schöne Erinnerung an die Oberliga Nordrhein und die damalige (überschaubare) Fanszene in Bonn. Langjährige Fortuna Düsseldorf Fans haben ziemlich viele Ligen miterlebt - nach dem Bundesligaabstieg 1996/97 stieg man nach der Saison 98/99 aus der 2. Bundesliga und am Ende der Spielzeit 2001/02 aus der Regionalliga Nord ab. Nach zwei Spielzeiten in der Oberliga Nordrhein profitierte man vom Aufstiegsverzicht der Velberter und arbeitete sich durch die Ligen wieder nach oben.
04/05 bis 07/08 Regionalliga, 08/09 3. Liga und ab 09/10 war man wieder Zweitligist. 2011/12 schaffte man es über die Relegationsspiele gegen Hertha BSC wieder ins Oberhaus, stieg aber direkt wieder ab. In der zweiten Liga folgten dann ein 6. und letzte Saison ein 10. Tabellenplatz... man kam ganz schön rum in jüngster Vergangenheit.
Paderborn, letzte Saison als "krassester Bundesligaufsteiger seit Tasmania Berlin" gefeiert (dieses Jahr ging der Titel übrigens an Darmstadt... vielleicht auch einfach nur ein Presse-Pendant zur "besten zweiten Liga aller Zeiten"), konnten wir im November 2012 in der Benteler Arena einen Besuch abstatten und in der abgelaufenen Bundesligasaison konnten wir in der BayArena live dabei sein, wie sie einen Auswärtspunkt mitnahmen. Am Saisonende ging dem Aufsteiger allerdings mehr und mehr die Luft aus und man holte in der Rückrunde lediglich 12 Punkte und stieg ab.

Die Anfahrt dauerte aufgrund von Baustellen etwas länger als geplant, ließ uns aber darüber nachsinnen wie jemand auf seinem Auto sowohl einen Fortuna Düsseldorf als auch einen 1.FC Köln Aufkleber unterbringen kann... um 12:30 Uhr erreichten wir einen der vielen Parkplätze in direkter Nähe des Stadions, der mit 5.- € zu Buche schlug.

Immer der Menschenmenge nach erreichten wir recht zügig das Stadion, der kürzeste Weg zu unseren Plätzen im Block 24 wurde allerdings durch den wachsamen Ordnungsdienst vereitelt - einmal quer durch den Gästeblock ist in der 2. Bundesliga einfach nicht machbar. So lernten wir den großzügigen Innenraum der ESPRIT-Arena kennen, in dem es an jeder Ecke über Döner und Hot Dogs so ziemlich alles für das leibliche Wohl gibt, was man sich vorstellen kann - laut Aussage meiner Herzensdame schmeckte die Brezel allerdings nicht so gut wie in München
Die Fanstände waren überlaufen, so dass der obligatorische Schal erst nach dem Spiel gekauft werden sollte. Am Ultras-Stand deckten sich derweil die ersten mit "Scheiß RWE" T-Shirts ein... am Wochende steht die erste Runde im DFB-Pokal an.
 
Gegen 13:00 Uhr erreichten wir unsere sehr sonnigen Plätze (24 Grad im Schatten waren nach wenigen Minuten schon gefühlte 240 Grad in der Sonne), aber Bier (auch in Düsseldorf gibt es zum Glück neben Alt auch Pils) und Cola verschafften Kühlung, während Düsseldorfs Oberbürgermeister seine Wettschulden einlösen musste und sich entlang der Mittellinie radschlagend zurückbewegen musste... 
 
Die Stimmung bei den rund 30.000 Zuschauern war gut, man war voller Erwartung auf das erste Heimspiel der noch jungen Saison, das mit dem Paderborner Anstoss dann auch endlich begann. Und die Fortuna kam wesentlich besser aus den Startlöchern als die Gäste - Ya Konan spielte knapp hinter der Strafraumkante nach außen auf Schmitz, der quer in den Strafraum auf den freien Bolly ablegte und der Ball von dessen Fuß direkt ins Tor flog - 1:0 nach 120 Sekunden, Auftakt nach Maß (das fand auch der Herr neben mir). Paderborn kam durch einen nicht ungefährlichen Freistoß von Saglik in der sechsten Minute zur ersten Chance.
 
Düsseldorf machte allerdings mehr Druck in der Anfangsphase, auch wenn zählbare Torchancen zunächst ausblieben. In der 15. Minute dann ein toller Pass von Liendl auf Pojanpahlo, dessen gestrecktes Bein den Ball aber nicht mehr erreichen konnte. Schmitz setzte sich dann auf der linken Außenbahn erneut durch und setzte Bolly gut in Szene.
 
Paderborn versuchte es aus der Distanz, aber um es mit den Worten meines Nebenmannes zu formulieren "bringt doch nichts!". Kurz darauf konnte sich Rensing im Düsseldorfer Tor zum ersten Mal in Szene setzen, als er Oualis Heberversuch aus kurzer Distanz ins Seitenaus klärte - es war bis zu diesem Zeitpunkt eine gute Zweitligapartie.
Paderborn übernahm jetzt mehr und mehr die Initiative, die nächste Torchance hatte allerdings Ya Konan mit einem Heber von der Strafraumkante, der knapp neben das Tor ging.
 
Halbe Stunde gespielt, da schallte mit "Scheiß RWE" die Vorfreude auf die kommende DFB-Pokal Partie durchs weite Rund... oder einfach nur die Abneigung gegen die Rot-Weissen aus Essen... oder beides. Auf dem Platz scheiterte Ouali derweil erneut an Rensing - die Anfangsüberlegenheit der Hausherren war mittlerweile dahin, aber mehr passierte bis zum Halbzeitpfiff nicht und wir "retteten" uns in den sehr schattigen Innenraum.

Die Hausherren ließen zur zweiten Halbzeit ein wenig auf sich warten und waren wohl mit den Gedanken auch nach Wiederanpfiff noch in der Kabine - Proschwitz scheiterte in der 48. Minute im 1-gegen-1 an Rensing, der mit einer Fußabwehr gerade noch zur Stelle war. Kurz darauf Totalaussetzer bei Koch, der Saglik bei einem Rückpass übersah.
 
In der 51. Minute dann der verdiente Ausgleich - Ndjeng über die rechte Seite auf Heinloth, der in die Mitte auf den freistehenden Proschwitz passte. Der Ball prallte dann an dessen Knie über die Linie... um meinen Sitznachbarn erneut zu Wort kommen zu lassen "War abzusehen!".
 
Düsseldorf wirkte geschockt und Paderborns Proschwitz hätte nach einer Ecke beinahe zum 1:2 eingeköpft. Die Gäste übernahmen jetzt die Initiative, ehe sich die Hausherren durch eine sehenswerte Einzelaktion von Bolly wieder zurück meldeten. Nach dieser tollen Aktion war der Arbeitstag von Bolly allerdings beendet, da er unter großem Beifall für Axel Bellinghausen Platz machen musste.
 
Über Sagliks Freistoß in der 69. Minute hüllen wir besser den Mantel des Schweigens, kurz darauf spielte er allerdings gleich mehrere Gegenspieler schwindelig. Das Schwindelgefühl schien einige Minuten anzuhalten... was sich Fortunas Hintermannschaft beim 1:2 in der 72. Minute durch Ndjeng dachte... müsste man mal nachfragen.
Einwurf Paderborn der bei Saglik landet, der kann ungehindert auf Wydra abspielen, der wiederrum wurde auch nicht wirklich angegriffen und marschierte durch den Strafraum, wo Ndjeng dann schließlich einschießen durfte. Unterirdisches Zweikampfverhalten der Abwehr (wenn man da überhaupt von sowas wie Zweikampf reden darf).  
 
In der letzten Viertelstunde inklusive vier Minuten Nachspielzeit rannte die Fortuna mehr oder weniger planlos an, Paderborn geriet kaum bis gar nicht unter Druck und so langsam aber sicher machten sich schon die ersten Zuschauer auf den Heimweg, während die Gäste am Ende ausgelassen feiern konnten - und das nicht unverdient!
 
Am kommenden Wochenende spielt Fortuna Düsseldorf im DFB-Pokal bei Rot-Weiss Essen und Paderborn beim VfB Lübeck, eine Woche später hat der Zweitligaalltag beide Mannschaften wieder, denn während Düsseldorf nach Heidenheim muss, empfängt Paderborn den SV Sandhausen.
 

Aufstellung Fortuna Düsseldorf:
M. Rensing, K. Akpoguma (84. J. Schauerte), K. Haggui, C. Strohdiek, L. Schmitz, J. Koch, M. Liendl, M. Bolly (62. A. Bellinghausen), S. Sararer, D. Ya Konan, J. Pohjanpalo (69. M. van Duinen).
Trainer: Frank Kramer
 

Aufstellung SC Paderborn 07:
L. Kruse, M. Heinloth, N. Hoheneder, U. Hünemeier, D. Brückner, M. Bakalorz, D. Wydra, M. Ndjeng (90. M. Stoppelkamp), I. Ouali (83. F. Hartherz), M. Saglik (76. S. Schonlau), N. Proschwitz.
Trainer: Markus Gellhaus
 

Torfolge:
 1:0 Mathis Bolly (2.)

 1:1 Nick Proschwitz (51.)

 1:2 Marcel Ndjeng (72.)

 

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
 

Verwarnungen:

 31. Min. M. Heinloth (Paderborn, Foulspiel)
 63. Min. K. Akpoguma (Düsseldorf, Foulspiel)
 64. Min. D. Brückner (Paderborn, Foulspiel)
 90. Min. J. Koch (Düsseldorf, Foulspiel)

Zuschauer: 30.416 (in der ESPRIT-Arena, benannt nach einem Modekonzern)



Chancen:
 4:4 (3:2)
Ecken: 7:7 (5:2)

 

Weitere Ergebnisse des 2. Spieltages (2. Bundesliga 2015/16):
1.FC Nürnberg (18.)
- 1.FC Heidenheim (3.) 3 : 2 (Freitag)
Arminia Bielefeld (9.) - FSV Frankfurt (12.) 0 : 0 (Freitag)
1.FC Kaiserslautern (2.) - Eintracht Braunschweig (16.) 0 : 0 (Freitag)
VfL Bochum (3.) - MSV Duisburg (16.) 3 : 0 (Samstag)
TSV 1860 München (12.) - SC Freiburg (1.) 0 : 1 (Samstag)
Karlsruher SC (12.) - FC Sankt Pauli (9.) 1 : 2
SV Sandhausen (11.) - 1.FC Union Berlin (7.) 4 : 3
RB Leipzig (3.) - SpVgg Greuther Fürth (3.) 2 : 2 (Montag)

Nachtrag vom 5. Juli 2016
Der 7. Tabellenplatz nach dem ersten Spieltag sollte die beste Platzierung der Düsseldorfer in dieser Saison bleiben. Frank Kramer hielt sich bis Ende November auf dem Trainerstuhl, nach Interimstrainer Peter Hermann durfte sich noch Marco Kurz für drei Monate versuchen, ehe Friedhelm Funkel am 14. März den Trainerposten übernahm und dann mit zwei Siegen an den letzten beiden Spieltagen der Klassenerhalt erreichte.
In Paderborn wurde Markus Gellhaus nach dem 10. Spieltag (Platz 15, 7 Punkte) beurlaubt und Stefan Effenberg übernahm im Oktober. Mit zwei Siegen führte sich der Trainerneuling auch sehr gut ein, danach lief aber kaum noch was zusammen und Effenberg durfte Anfang März nach 15 Spielen und gerade Mal 12 Punkten schon wieder die Koffer packen (Platz 17, 19 Punkte).
Den Rest der Saison coachte René Müller, der den Abstieg aber nicht mehr verhindern konnte. Am Saisonende stieg Paderborn als Tabellenletzter in die 3. Liga ab.

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